




Kollektivarbeit mit: Philipp Baumann, Konstantin Holle, Flora Weber & Jella Jess
realisiert im Rahmen der Ausstellung: Down The Rabbit Hole, Kunst im Tunnel Düsseldorf, 2022
Die von außen undurchsichtige Holzkonstruktion, die wegen des Spalts zwischen Boden und Holzpaneel
an eine Umkleidekabine oder eine öffentliche Toilette denken lässt, verbirgt das Innere und weckt
Neugier. Wagen die Besucherinnen den Blick hinter die verschlossene Türe, öffnen sich ihnen mehrere
aufeinanderfolgende Räume, die durch bewegliche Türen gegliedert sind.
Die Besucherinnen entscheiden selbst über ihren Weg durch die Installation. In dieser scheinbar
abgeschirmten Umgebung entsteht ein Gefühl von Privatsphäre und Intimität, das auf mehreren Ebenen
durchbrochen wird.
So zeichnet ein verstecktes Mikrofon am Eingang der Installation alle Töne - die Reibung der Tür an der
Decke oder mögliche Gespräche der Anwesenden - auf und gibt diese zeitversetzt durch einen am
Ausgang platzierten Lautsprecher wieder aus. Außerdem finden sich mehrere Spione in den Türen und
Wänden, die den Blick nach außen, in einen anderen Raum erlauben. Diese zuerst irritierenden
Momente bezeugen den spielerischen Umgang mit der Grenze zwischen privat und öffentlich und
dienen zugleich als Mittel der Verbindung sowie Erweiterung des Raums.
Die architektonische Struktur der Installation verweist auf den Kern binären Denkens - entweder oder, A
oder B - und fordert Entscheidungen, die schließlich zum selben Ergebnis führen. Auch der Name des
Kollektivs 273,75_collect.temp, bestehend aus Philipp Baumann, Philippe Derlien, Konstantin Holle,
Jella Jess und Flora Weber, weist auf computerbasierte Vorgänge hin. temp" ist eine Dateiendung für
temporäre, aber ausführende Dateien. Dieser Rolle nimmt sich auch das Kollektiv an: Die Beteiligten
haben sich temporär, genauer für 273,75 Tage, zusammengefunden (collect), um im Rahmen der
Ausstellung „Down The Rabbit Hole“ gemeinsam zu arbeiten und zu agieren.
Hannah Niemeier