Gedanken zu vier Werken aus Inhotim

Eigentlich spielt die Hauptrolle die Natur, die im Park zur Schau gestellten Pflanzen und Bäume, welche die Skulpturen und Gebäude einrahmen und Beruhigung in der Seele eines Städters auslösen. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier vier kurze Anmerkungen zu meinen persönlichen, künstlerischen Favoriten aus Inhotim.
Rivane Neuenschwander

Modelle als Transitraum zum Fantastischen. Zur Offenlegung anderer Wesen, die Personifikationen der Institutionen, Abkömmlinge des Teufels oder zumindest eines Alptraums aus Kindertagen.
Das Gespenst der Ohnmacht ist in uns und der Ursprung aller Angst, alles Dunklem der Welt liegt in den Traumata der Kindheit eines jeden Menschen.
Also lasst uns den Wesen einen Körper, einen Raum und ein Bild geben und lasst sie protestieren, auf den Straßen für eine Anerkennung nicht-menschlichen Lebens.
Hélio Oticia

Eigentlich war das NewYork der 70er so wie wir es uns vorstellen: Kreative Geister, beseelt mit der unendlichen Kraft der Poesie und den nötigen chemischen Substanzen sind vereint in wildem Reigen, im nicht enden wollenden Kreis der Exzesse und dem Schmelztiegel künstlerischer Übersteigerung.
Dem ein Bild geben, aber die Distanz wagen. Dem ein Archiv geben, eine Sprache, die auch in Museen funktioniert. Roh und spielerisch.
Hélio Oticia hat 5 Cosmococas (ja, coca bezieht sich auf das Kokain auf dem Foto von Marilyn Monroe)
geschaffen und damit dieser Energie in beruhigter, zugänglicher Form ein bildnerisches Experiment gegeben.
Raum 1, Spiel, Wurf, weicher Boden, Musik, aufwärmen.
Raum 2, Spiel und Aggresion, die Energie entlädt sich, Ballons platzen laut.
Raum 3, Delirium, Hängematten,
Jimi Hendrix, nächste Line.
Raum 4. Intimität, Wärme, alte Matratzen, hemmungsloser Sex.
Raum 5, Chlor, Pool, John Cage, Laser, Erfrischung, Neustart.
Die Reihenfolge ist beliebig und eigentlich kann man in jedem Raum intim werden…
Valeska Soares

Jeder Moment trägt Ewigkeit. Das Erinnern daran bedeutet das Betreten eines Raumes zwischen den Bildern, erinnern wir doch meistens eine Sequenz, die auf ewig in einem Loop gespeichert ist. Das davor und danach bleibt schemenhaft, jedem Abrufen der Erinnerung geht eine Unsicherheit voraus, eine Veränderung, die Blickwinkel öffnet und andere schließt. Diesem Tanz folgt auch die spiegelnde Architektur von Valeska Soares. Zwischen der endlosen Vergangenheit und hoffentlich endlosen Zukunft sind nur zwei Räume konstant: mein Standort und die Bühne im Kasino von Pampulha, die Tanzfläche, der Ort des Schauspiels, an dem sich geisterhaft und voller Sehnsucht ein ums andere Mal die Menschen einem edlen Tanze folgen. Die Erinnerung dreht, wendet, macht einen falschen Schritt, aber kommt sicher zurück.
Janet Cardiff

Museen sind Kirchen und die Sphäre ihrer Werke oft größer als der physische Raum. Sie erwecken eine Präsenz, spielen einen Film. 40 Stimmen tragen mich davon, in die Höhen einer Kathedrale oder die Tiefen unter dem Himmel. Sonst die Leere. In der Mitte ist keine einzelne hörbar, nur eine Fülle, ein Reichtum, ein Klang. Ich weiß nicht, wie dies nicht das Herz eines jeden ergriffen macht.